„Der Bürger als Edelmann“

Die griechischsprachige Theater-AG der Deutschen Schule Athen präsentiert das Stück „Der Bürger als Edelmann“ von Molière

Wo: In der Aula der Deutschen Schule Athen 

Wann: 16/3, 17/3 und 19/3 um 20.30 Uhr

Für das siebte Theaterstück unserer Theatergruppe in Folge haben wir uns zum ersten Mal eine Komödie ausgesucht: eine französische Komödie von Molière.

Der Dramaturg, Schauspieler und Dichter Molière (1622-1673), eigentlich Jean-Baptiste Poquelin, Sohn eines Polsterers des Königs, reißt alle Brücken ab, weil er seine Leidenschaft für das Theater entdeckt, widmet sein Leben dem Theater, verschuldet sich, wird ins Gefängnis gesperrt, erkrankt, während er den „eingebildete Kranken“ spielt, auf der Bühne und stirbt kurze Zeit später. Er schreibt seine Theaterstücke in einer Zeit der gesellschaftlichen Krise und löst Skandale aus, weil es seiner Meinung nach seine „Aufgabe ist, die Lächerlichkeit der Menschen auf der Bühne bloßzustellen“.

Molière konzentriert sich in seinen Stücken auf einen menschlichen Makel, eine Schwachstelle. Dieses Mal hat er es abgesehen auf einen wohlhabenden aber ungebildeten Bürger, ein Familienmensch, der alles hat -  er könnte glücklich sein. Aber seine Schwäche ist, dass er gerne etwas Besseres wäre, als das, was er ist: Er will sich verzweifelt in eine gesellschaftliche Schicht integrieren, der er nicht angehört. Kurz gesagt: Er will ein Adeliger werden. Er setzt alle Mittel ein, um seine Erscheinung zu ändern und ein adeliger Edelmann zu werden: Er bildet sich, er ruft Musik-, Tanz- und Philosophielehrer zu sich, er bestellt einen Fechtmeister, er gibt neue Kleider in Auftrag, geht Freundschaften mit Adligen ein, versucht, eine Marquis zu erobern, und setzt alles daran, sich zu verändern. Das hat zur Folge, dass er zum Opfer wird, ausgenutzt wird und sich lächerlich macht. Gleichzeitig versuchen seine Frau, seine Tochter und sogar seine Dienerin, ihn aus ihren jeweils eigenen Gründen zur Vernuft zu bringen. Um ihn wird ein raffinierter Komplott geschmiedet.

Während der Proben haben wir festgestellt, dass die Komödie eine oft missverstandene Dramenform ist. Sie ist nicht einfach. Ganz im Gegenteil, sie fordert Rhythmus, Koordination, absolute Präzision. Das Lachen wird zum Mittel des Wissens, der Befreiung. Die Komödie ist aggressiv, sie „greift an“, sie übt harsche Kritik und unterhält damit das Publikum.

Die gesellschaftliche Kritik, die in diesem Werk geäußert wird, interessierte uns besonders. Denn es macht sich nicht nur der wohlhabende Bürger in seinem Versuch lächerlich, Teil eines anderen Systems zu werden. Auch das System, das ihn mit seiner Heuchelei, seiner Eitelkeit und seinem Narzissmus umgibt, ist lächerlich. Schlussendlich verhindert das Lachen nicht die emotionale Rührung. Jourdain leidet an Einsamkeit. Er verliebt sich, ohne Erwiderung zu finden. Ein Lachen also, aber auch eine tragische Grimasse.

Theater ist Teamarbeit. Aus diesem Grund möchte ich mich noch einmal bei allen bedanken, die die Theatergruppe unterstützen, die neuen Mitglieder, Alumni, Eltern und Freunde, das Publikum, das sich jedes Jahr einfindet. Ich danke den Kindern für ihre Begeisterung und ihre Ideen, die für mich eine Quelle der Inspiration sind.

Elena Karakouli