„Die Rolle der Deutschen Welle in der siebenjährigen Militärdiktatur“

Schüler der Klasse 11e

Eine Veranstaltung des Generalsekretariats für Medien und Kommunikation, am Mittwoch, 1. November 2017, im Veranstaltungssaal des Ministerium für Digitalpolitik, Medien und Kommunikation.

Zusammen mit der Klasse 11a wurden wir zu einer kulturellen Veranstaltung über die Militärdiktatur im Generalsekretariat für Kommunikation in Kallithea eingeladen.

Die Veranstaltung bestand im Wesentlichen aus zwei Teilen: einer Präsentation des Films „Widerstand während der griechischen Militärdiktatur“ von Timon Koulmasis, einem deutsch - griechischen Filmregisseur dessen filmisches Schaffen schon mehrfach international ausgezeichnet wurde, und einer anschließenden Diskussionsrunde mit ehemaligen Journalisten der Deutschen Welle, Historikern und dem Regisseur des Films.

Der Film von Timon Koulmasis thematisiert den politischen Widerstand griechischer Regimegegner, welche zwischen 1967 und 1974 vom damaligen deutschen Exil aus in Radiosendungen, die von der Deutschen Welle ausgestrahlt wurden, zum Widerstand gegen die Diktatur der Obristen aufriefen. Die griechische Bevölkerung hatte auf diese Weise Zugang zu einer nicht vom Regime manipulierten Nachrichtenquelle. Viele Oppositionelle, die es noch rechtzeitig schafften, verließen damals Griechenland, um Verfolgung, Inhaftierung, Folter und Deportationen in entlegene Strafgefangenenlager zu entgehen, darunter vor allem Kommunisten, Demokraten, aber auch einfache Zivilisten, die dem Regime ihre Kooperation verweigerten.

Für viele ins Ausland Geflohenen war das Exil die einzige Möglichkeit, der Willkür des Regimes zu entgehen. So entstand in der damaligen BRD die griechische Sendung der Deutschen Welle, die bei der griechischen Bevölkerung im Heimatland aufgrund der außergewöhnlichen Schärfe mit der die Obristen kritisierte wurden, große Beliebtheit erlangte. Die Stimme der Deutschen Welle durfte nur heimlich gehört werden, aber „gegen Radiowellen konnten selbst die Obristen nichts ausrichten.“

Die griechischen Journalisten der Sendung waren Idealisten und träumten von einer demokratischen, freien, solidarischen und manche auch von einer sozialistischen Gesellschaft. So hofften sie, dass nach dem Sturz der Diktatur, sich eine Gesellschaft durchsetzen werde, die keinen Egoismus, keine Unterdrückung, keinen Individualismus oder Entrechtung mehr kennt. Als die ersehnte Demokratisierung nach 1974 dann tatsächlich einsetzte und die aus dem Exil zurückkehrenden Politiker die Regierungsverantwortung übernahmen, trat die erhoffte Veränderung der Gesellschaft aber doch nicht ein.

Der Film und die anschließende Podiumsdiskussion vermittelte uns wichtige und interessante Botschaften und Aussagen, die uns zum Nachdenken anregten:
- Menschen, die beschließen in den Widerstand zu gehen und gegen einen Unrechtstaat zu kämpfen, sind Vorbilder. Sie machen uns Mut, auch heute in demokratischen Staaten gegen das Unrecht zu kämpfen und Bedrohungen gegen die Grundprinzipien der Demokratie ernst zu nehmen und diese offen anzuprangern.
- Das Wort ist mächtiger, als wir denken, und die Medien können, wenn sie dazu bereit sind, einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von mehr Menschlichkeit, Toleranz und Solidarität im Kampf gegen politische Unterdrückung und Unfreiheit leisten, wie am Beispiel der Deutschen Welle deutlich wurde.
- Nachdenklich machte uns die Aussage der Protagonisten des Films, dass das heutige Griechenland gar nicht dem entspräche, was man sich erhofft hatte. Der Gedanke, dass die Gesellschaft die Chance des politischen Neuanfangs nach dem Sturz der Diktatur nicht mutig genug genutzt hat, liegt nahe. Aus diesem Grund sehen wir die Dokumentation als einen Versuch an, der jungen Menschen von heute Mut machen und ihnen einen Weg weisen will, um die unerfüllten Hoffnungen der Widerstandskämpfer von damals in der Zukunft zu verwirklichen und eine Verbesserung der Lebensbedingungen aller Menschen zu bewirken.

Wir bedanken uns für die Einladung und den herzlichen Empfang im Ministerium! Die Teilnahme war für alle Schüler eine große Bereicherung.